Deutsche Übersetzung
Federer
Das wird sein Fest !
Der Sommer 2021 verspricht sportliche Freuden, für welche der Sommer 2020 Forfait deklarieren musste. Die Maison du Dessin de Presse hat daher beschlossen, sich an den Festivitäten zu beteiligen, die Lachmuskeln zu bespielen und dabei die Betrachter:innen zum Reagieren und Applaudieren einzuladen angesichts der Ausmarchungen der Zeichnerinnen und Zeichner. Unsere Stars sind Herrmann und Vincent, die ein perfektes Doppel spielen, der eine als Texter, der andere als Zeichner. So spielen sie sich die Bälle zu wie der Held ihres gemeinsamen Comicbandes – Roger Federer.
Nach einem ersten Band über « Die Kindheit der Kunst » unseres nationalen Champions kehrt das Duo auf den Platz zurück mit einer Fortsetzung, die den anregenden Titel « Mirka & Rodger » trägt. Unsere Ausstellung beleuchtet das Schaffen der beiden Künstler, vom Aufwärmen über den Breakball bis zum siegreichen Aufschlag. Herrmann legt sein Szenario in Form von Dialogen und Skizzen vor, worauf Vincent mit ersten Versuchen und Entwürfen eingeht, ganz in dem ihm eigenen Stil. Dadurch können wir die facettenreiche Entstehung des Comicbandes nachverfolgen und bewundern Zeichnungen und Tafeln, die in der Endversion so nicht mehr vorhanden sind.
Natürlich kann die Ausstellung nicht den gesamten Comicband vorlegen. Für die Auswahl der Zeichnungen (an der großen Mauer, von links nach rechts) haben wir einerseits technische Aspekte berücksichtigt (Skizze, Entwicklung der Zeichnungen und der Farbgebung), andererseits besonders wichtige Elemente sowohl graphischer wie auch erzählerischer Art betont. So reicht die Auswahl vom Gstaader Open und seinem Duell mit Marc Rosset über seinen ersten Grand Slam Titel in Wimbledon im Jahr 2003 (und dem Treffen mit Ihrer Majestät der Königin Elizabeth II.) bis hin zum Beginn seiner Beziehung mit Mirka und ihrer Liebe füreinander, aber auch für den gemeinsamen Wettkampf.
Parallel dazu erinnern einige Seiten aus Band 1 « L’enfance de l’art » an die Anfänge von Rodscher im Tenniszirkus und jene von Herrmann als großer Fan!
Aufgepasst! Diesen Sommer, genauer am 8. August, feiert Roger Federer auch seinen 40. Geburtstag. Eine gute Gelegenheit, um die Karikaturen, welche seine Karriere seit 2003 begleitet haben, Revue passieren zu lassen. Auf unserem improvisierten Centre Court tummeln sich – neben dem fachkundigen Publikum – Alex, Ballouhey, Barrigue, Bénédicte, Bertschy, Burki, Caro, Chappatte, Herrmann, Mix & Remix, Pétillon, Pitch, Soulcié, Schrank, Swen und Vincent. Die Zeichnungen wurden passend zum Comicband ausgewählt und illustrieren das Familienleben, Siege, Kontakte mit anderen Spielern und die Popularität von RF. Ein medaillenverdächtiges Ensemble!
Wir wünschen einen anregenden Besuch, Ruhe auf den Plätzen und, begleitet von unserem Applaus, einen fröhlichen Geburtstag, Rodscher!
Herrmann, erklärt von Vincent
Was für ein Spiel!
Es brauchte 60 Grand Slams und die Hilfe von seinem brillanten Partner, damit Gerald Herrmann endlich das Finale eines Major-Turniers im Doppel gewinnen konnte. Ein Beweis der Geduld des Schweizers, welcher der erste Zeichner der Geschichte ist, der einen solchen Erfolg erreichen konnte und dies nach so vielen vergebenen Chancen. Die Publikation seines Albums « Mirka & Rodscher » kommt einer Krönung für diesen Künstler gleich, den man schon lange auf diesem Niveau erwartet hatte.
« Jeder muss seinen eigenen Weg finden. Ich habe immer gespürt, dass ich den Stift habe um das Finale eines Grand Slams zu erreichen, aber ich war im mentalen Bereich nicht so weit », hat er nach seinem Erfolg im Halbfinale erklärt. Seitdem er mit seinem treuen Zeichner Vincent Di Silvestro spielt, gelingt es ihm besser, auf die Höhen und Tiefen zu reagieren, mit denen er in einem Spiel konfrontiert wird. Vor der Arbeit an diesem Album hatte er bereits vielversprechende Akzente gesetzt, nicht zuletzt durch das Erreichen des Finale im Doppel mit « Rodger, l’enfance de l’art » oder im Einzel in der Tribune de Genève und im Courrier. Nun gelingt es ihm, sein Schlagrepertoire zu variieren, er versteht es, den Ball im Spiel zu halten und zögert nicht, Passierschläge zu spielen. Dank seiner zahlreichen Stärken könnte Gerald bald auf dem Höhepunkt seiner Karriere ankommen.
Fragen an Vincent
Was stellt Federer für Sie dar?
Für mich wirkt Federer ein wenig wie der ideale Schwiegersohn, der leichter eine Oma verführen kann als einen Linken wie mich. Das eigentliche Federer-Groupie ist Gerald.
Wie kann man Ihre Entwicklung von der Karikatur zum Comic beschreiben?
Diese Entwicklung hat sich ziemlich natürlich ergeben. Man bleibt bei einer Art des Erzählens, bei der das Bild dominiert ist und der Humor einen wichtigen Platz einnimmt.
Eine wirkliche Herausforderung stellt der Arbeitsrhythmus dar. Die Karikatur ist ein Sprint, der Comic ein Marathon. Einschränkungen ergeben sich in beiden Fällen lediglich durch technische Aspekte (ich habe meine Grenzen und die akzeptiere ich ;-).
Wie funktioniert die Zusammenarbeit zweier Karikaturisten?
Mit Gerald zu arbeiten ist perfekt: wenn er mir ein Szenario zuschickt, hat er meine Arbeit beinahe schon miterledigt. Er vertraut mir vollkommen und lässt mir bei der Umsetzung eine totale Freiheit. Und meinerseits vertraue ich seinem Schreibtalent blind.
Karikaturisten kommentieren das Tagesgeschehen – und in diesem Fall? Wie ist das Verhältnis von Realität und Fiktion?
Ich kenne das Leben von Federer nicht, aber ich wünsche ihm, dass es so ist, wie Gerald sich das ausgedacht hat. Mich persönlich zieht es mehr zur Fiktion hin, die ich als spannender empfinde, als die Realität.
Vincent, erklärt von Herrmann
Welche Energie!
Vincent di Silvestro, genannt Vincent, nicht Silvestro – so wie Herrmann -, wurde 1979 in Genf geboren, studierte Comiczeichnen in Lyon und nahm anschliessend Wohnsitz im Kanton Neuenburg. Kurzum, er macht alles verkehrt rum. Er interessiert sich nur am Rande für Politik und gar nicht für Sport (obwohl er durch eine unglückliche Verkettung von Umständen Trainer der Fussballmannschaft seines Sohnes wurde). Dies erklärt, wieso er der Haupt-Karikaturist beim Courrier ist, bei Vigousse oder auch bei La Torche, sowie der Zeichner zweier Comicalben über Roger Federer.
Nun ja, er ist ebenfalls Illustrator von Kinderbüchern…
Aber was für eine Rolle spielt das Thema, wenn man so einen enthusiastischen und reichen Zeichenstil pflegt wie Vincent! Eigentlich kennt er nur zwei Gegner: « la droite et la ligne droite », was regelmässig zu netten Verbalattacken und zahlreichen feinen Kritzeleien führt. Nachdem er eine Zeitlang mit dem Stil von Mix und Blain geliebäugelt hat, macht Vincent jetzt Vincent, und das ist einfach genial!
Fragen an Herrmann
Was stellt Federer für Sie dar?
Ein Champion, ein Künstler, der mich zum Reflektieren über unser Bedürfnis nach Verehrung bringt.
Wie kann man Ihre Entwicklung von der Karikatur zum Comic beschreiben?
Vor 50 Jahren waren Comicautoren frustrierte Zeichner. Heute sind zahlreiche Karikaturisten frustrierte Comicautoren! Der grosse Unterschied ist, dass unser Beruf im Witzeschreiben besteht, wohingegen der Comic Figuren entwirft, was wesentlich interessanter ist. Als Karikaturist schliesst man seine Arbeit jeden Tag ab, das hat etwas unheimlich Befriedigendes. Als Autor träume ich hingegen vom Comic!
Wie funktioniert die Zusammenarbeit zweier Karikaturisten?
Unsere Rollen sind klar definiert. Schauen Sie sich nur unsere Buchwidmungen an: er zeichnet und ich schreibe einen Witz dazu. Vincent liebt es zu zeichnen, ich weniger. Wir praktizieren einen wirklichen Austausch und es herrscht hohe Toleranz. Ich bin eher dialogaffin. Und basierend auf meinen Skizzen lässt er manchmal Textelemente weg, erhöht oder verringert die Anzahl der Comicfelder, kurz, er bestimmt den Rhythmus.
Karikaturisten kommentieren das Tagesgeschehen – und in diesem Fall? Wie ist das Verhältnis von Realität und Fiktion?
In der Karikatur hat die Realität einen Anteil, beim Comic ist das nicht notwendigerweise so. In diesem Fall stellt die Realität ein Ausgangsmaterial dar, das es mir ermöglicht, meine eigene Welt zu erschaffen. Eine Welt, für welche wir keinen Helden mehr erfinden mussten, denn wir hatten ja bereits unseren Asterix, unseren Lucky Luke, unseren Titeuf. Da bin ich sozusagen ein Schwamm, ich habe Federers Wesen aufgesogen und verarbeitet.